Im Juni 1978 gerieten die Geheimdienste der UdSSR in hellste Aufregung. Aus Genf verschwand der dritte Sekretär der sowjetischen Vertretung bei der UNO Wladimir Resun. Die Tage lösten einander ab, doch von ihm und seiner Familie fehlte jede Spur.
Die eigentliche Brisanz dieses Vorfalls bestand aber darin, daß der sowjetische Diplomat in Wirklichkeit Major des berüchtigten militärischen Geheimdienstes GRU war.
Die schweren Folgen dieser Panne für die
Sowjetunion waren kaum abzusehen. Es war ein Verrat. Für den Überläufer
Wladimir Resun begann ein Leben zwischen Todesurteil und dessen
Vollstreckung. Ein schweres Leben, ein Leben unter dem ständigen
Schutz der englischen Geheimdienste...
Doch was bewog einen erfolgreichen Agenten zu solch einer folgenschweren
Entscheidung?
Es gab mehrere Gründe. Der wichtigste aber war sein Buch. Ein Buch,
das ihm wie ein Traum vorschwebte und dessen Inhalt er nicht einmal
seinen nächsten Verwandten anvertrauen konnte. Die Frage, die dieses
Buch zum Thema machte, klang für jeden
Russen gnadenlos und schrecklich: wer
entfesselte den Zweiten Weltkrieg? Dieses
Buch mit dem hart klingenden Titel „Der Eisbrecher“ erschütterte die öffentliche
Meinung nicht nur in seiner Heimat.
Es wurde übersetzt in alle wichtigsten
Sprachen und dessen Auflagen strebten
wahrhaft in kosmische Höhen. Doch nur
wenige wußten damals, daß der Verfasser
dieses kontrovers diskutierten Buches
Viktor Suworow in Wirklichkeit der ehemalige
Agent des militärischen Geheimdienstes
GRU Wladimir Resun war.
Schon als zwölfjähriger Kadett mit feinen
Gesichtszügen und phänomenalem Gedächtnis
entdeckte er die ersten Unregelmäßigkeiten
in der offiziellen Geschichtsschreibung
des Zweiten Weltkrieges. Zu
kleineren Fragen kamen immer mehr große,
fundamentale hinzu.
So wurde aus der ungestillten Neugier
eines außergewöhnlichen Jungen eine
Lebensaufgabe. Panzer, Divisionen, Armeen...
Millionen von Daten und Fakten
fügten sich nach und nach zu einem gewaltigen Panorama, das nun das höchst geschützte Geheimnis der Sowjetunion ans Tageslicht brachte...

Viktor Suworow in der Kadettenschule in Kalinin, 1964 (6. von rechts)
 
Kadettenschule in Kalinin, 1964 Das letzte Foto in der Uniform, 1971
Einige Lebensdaten
von Viktor Suworow (W. Resun)
Wladimir Resun wurde am 20. April 1947
in einer kleinen Siedlung Barabasch im
Fernen Osten der Sowjetunion in der Familie
eines Berufsoffiziers geboren.
Seit dem 11. Lebensjahr trägt er Schulterstücke.
Denn bereits 1958 beginnt er die
Ausbildung in der Kadettenschule Woronesch.
1963-1965 in der Kadettenschule
in Kalinin. 1965-1968 Studium an der Offiziershochschule
in Kiew, die er in nur drei Jahren vorzeitig absolvierte.
1968 Einmarsch der sowjetischen Truppen
in die Tschechoslowakei, an dem
auch Wladimir Resun als junger Offizier
beteiligt war.
1970-1971 Aufklärungsabteilung
des Stabs des Militärbezirks Priwolschskij,
sowie 808. Kompanie für Sondereinsätze „Speznas“.
1971-1974 Studium an der militärdiplomatischen
Akademie des Militärgeheimdienstes GRU.
Von 1974 bis 1978 geheimdienstliche Tätigkeit
in Genf, getarnt als Diplomat der
sowjetischen UN0-Vertretung.
10. Juni 1978 - Flucht nach England.
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